Die Kleine Schützenmusik (KSM) füllt das Gotteshaus mit schönster Adventsmusik – und spielt dem Förderverein 3.700 Euro in die Kasse. Klangtastisch!
Erfreuen Sie sich hier am Beitrag aus der Schwäbischen Zeitung vom 17. Dezember (Text und Foto: Günther Luderer).
Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, der Freitag, der 13. war kein musikalischer Unglückstag! Nicht für den Dirigenten der KSM, dem in seinem Schlusswort ein tiefer Gott-sei-Dank-Stoßseufzer der Erleichterung entfuhr, dass das Konzert „so gut durchgelaufen“ sei, obwohl er doch mit seinem Ensemble wegen anderer Verpflichtungen erst seit fünf Wochen an den Werken habe arbeiten können. Nicht für das Publikum, dem aufgrund Bischofs geschmackvoller Programmauswahl kommerzverseuchte Lieder von rotnasigen Rentieren, schlittenfliegenden Weihnachtsmännern und gefühlsduseligen „White Christmas“-Träumen erspart blieben. Und nicht für den Verein Bauhütte Simultaneum, dem die jungen Musikerinnen und Musiker der KSM trotz des allgemeinen Spartrends stolze 2477 Euro Konzerteinnahmen als Spende überweisen konnten.
Doch der Reihe nach. Bereits eine Viertelstunde vor Konzertbeginn war die Stadtpfarrkirche St. Martin bis auf den letzten Platz gefüllt. Dieser Publikumszulauf liegt zum einen daran, dass die fast 100 Mitglieder des Blasorchesters – zurzeit zwischen 12 und 23 Jahre alt – natürlich eine große Schar Familienangehörige mitbringen, aber schon auch daran, dass die KSM aufgrund ihres jahrelangen Musizierens auf hohem Niveau einen ausgezeichneten Ruf genießt und eine beachtliche Fangemeinde hat. Keine „Personalnot“ und gute Qualität – das spricht für die hervorragende Arbeit des Leiters Michael Bischof und seines Teams, sowie für eine klug investierte finanzielle Förderung des Orchesters durch die Schützendirektion.
Bereits zum zwölften Mal spielte die KSM zugunsten des Vereins Bauhütte Simultaneum, dessen Vorsitzender, Hans Beck, angesichts der Zuhörerscharen in bester Stimmung, launig das Publikum begrüßte und ermunterte, beim Spenden großzügig zu sein. In den Sammelkörbchen solle es „nicht scheppra sondern raschla“. Viel sei für den Erhalt des ältesten simultan genutzten Gotteshauses in Deutschland bereits getan worden, jetzt stünden Brandschutz und Orgelrestaurierung an.
Mit einem gut klingenden, leicht poppigen Blasorchester-Arrangement des bekannten Chors „Tochter Zion“ aus Händels Oratorium „Judas Maccabäus“ startete die KSM ins Programm, durch das mit schon großer Routine und guter Textverständlichkeit die Saxofonistin Lea Fritzenschaft führte, im Wechsel mit ihrer neuen Co-Moderatorin Alina Miller aus dem Flötenregister.
Großes Kino dann bei Fritz Neuböcks „A Day of Hope“. Die KSM versetzte mit kultivierten Blechbläserfanfaren, tänzerisch gespielten Allegro-Teilen, einer schönen romantischen Episode und einem majestätischen Finale das Publikum in hoffnungsvolle Festtagsstimmung. Eine große Leistung lieferte der 18-jährige Trompeter Loris Gerber ab. Sauber, mit warmem Klang und schlüssiger Phrasierung spielte er Kees Vlaks „My secret Lovesong“ – ein nicht gerade weihnachtliches, aber zu Herzen gehendes Werk. Sein Lehrer Michael Bischof hat ihm offensichtlich nicht nur das musikalische und technische Rüstzeug mitgegeben, sondern auch die „Coolness“, die nötig ist, um sich ohne wahrnehmbare Nervosität vor so ein großes Publikum zu stellen. Kompliment!
Traditionell gehört zum Adventskonzert der KSM eine Weihnachtsgeschichte. Dieses Jahr las Stadtpfarrer Stefan Ruf „Schuster Konrad erwartet den lieben Gott“, entstanden nach einer russischen Legende. Konrad wartet scheinbar vergeblich auf Gott, um dann festzustellen, dass der ihn doch gleich mehrfach besucht hat.
Musikalisch wieder in den Themenkreis „Weihnachten“ führten zwei Medleys: Manfred Schneider hat sechs bekannte Lieder im Big Band Sound arrangiert, wobei die „Glöckchen“ eher nach Speyrer Dom als nach zartem Christbaumbehang klingen. Besonders schön gelang der KSM dann eine weihnachtliche Reise durch Europa mit Stationen in Spanien (Feliz Navidad), England (The First Nowell), Frankreich (Gloria) und Deutschland (Stille Nacht) – kontrastreich gespielt, sauber intoniert, dynamisch differenziert.
Am Ende eines erstklassigen Konzertabends gab es reichlich Applaus für Dirigent und Orchester und zwei Zugaben: „All I want for christmas is you“ und eine Wiederholung von „Tochter Zion“.